Energiewende „Made in Austria“ - Graphitelektroden aus Bad Goisern als Schlüssel zur Dekarbonisierung der Stahlindustrie

Energiewende „Made in Austria“ - Graphitelektroden aus Bad Goisern als Schlüssel zur Dekarbonisierung der Stahlindustrie

Klimaschutzministerin Leonore Gewessler, Umwelt- und Klima-Landesrat mit Resonac Graphite Austria-Geschäftsführer Eugen Hofer

Das Elektrodenwerk Steeg ist der südlichste Industriebetrieb Oberösterreichs mit einer mehr als 100-jährigen Geschichte und derzeit 170 Mitarbeiter/innen. In Steeg werden von der Resonac Graphite Austria GmbH Graphitelektroden produziert, die es ermöglichen, Stahl mit weitaus geringeren CO2-Emissionen herzustellen als bei der Produktion in herkömmlichen Hochöfen. Dies geschieht, indem nicht mehr ein Hochofen genutzt wird, sondern Stahlschrott oder direkt reduziertes Eisen im Elektrolichtbogenofen mit Hilfe von Elektroden eingeschmolzen wird. Die Elektroden aus dem Werk in Steeg sind damit wesentlich für die Dekarbonisierung der europäischen Stahlherstellung.

Beim Besuch von Klimaschutzministerin Leonore Gewessler und Klima-Landesrat Stefan Kaineder in Steeg standen insbesondere die Themen Energiekrise und Klimakatastrophe im Fokus. Gewessler und Kaineder zeigten sich beeindruckt von den Bemühungen des Unternehmens, seinen Betrieb auf erneuerbare Energien umzustellen und den CO2-Fußabdruck zu verringern: So wird etwa der Haupt-Rohstoff über die werkseigene Anschlussbahn ins Werk transportiert, um die Verkehrsbelastung und damit die Emissionen für die Anrainer/innen so gering wie möglich zu halten. Zusätzlich wird auf Elektrostapler für den innerbetrieblichen Transport gesetzt und in einer Kooperation mit der Gemeinde Bad Goisern die industrielle Abwärme in das Nahwärmenetz der Gemeinde gespeist. Ab November erzeugen 59.000 PV-Module auf einer Fläche von über 30 Hektar in Nickelsdorf (Burgenland) und Oberzeiring (Steiermark) Grünen sauberen Strom für das Elektrodenwerk in Steeg. Durch diesen, beim Abschluss größten direkten Stromliefervertrag Österreichs, konnten diese Solarparks erst errichtet werden und das Elektrodenwerk in Bad Goisern kann knapp 50% seines Strombedarfes direkt daraus decken.

„Klimaneutralität ist Standortsicherung. Denn die Industrie der Zukunft ist klimaneutral und sie liefert Lösungen für die Klimaneutralität. Deswegen investieren wir 5,7 Milliarden Euro in diesen Umbau der österreichischen Industrie und treiben die Energiewende voran. So haben wir in den letzten drei Jahren mehr Photovoltaik zugebaut als in den 20 Jahren davor insgesamt. Die saubere Energie ist der Treibstoff, mit dem unsere Industrie in die Zukunft fährt. Unternehmen wie dieses in Steeg zeigen, wie weit viele Betriebe schon auf diesem zukunftsfähigen Weg sind“, sagt Klimaschutzministerin Leonore Gewessler.

„Die Transformation aller Lebensbereiche in Richtung Klimaneutralität ist die wahrscheinlich größte Herausforderung in der Menschheitsgeschichte. Das Schöne aber dabei ist, dass es Betriebe wie das Elektrodenwerk Steeg in Bad Goisern gibt, die sich schon längst auf diesen Weg gemacht haben. Gerade die energieintensiven Prozesse in der Industrie umzustellen, ist eine Herkulesaufgabe. Nur wenn uns diese Aufgabe gelingt, werden wir unseren Kindern und Enkelkindern einen funktionierenden Planeten übergeben können“, so Umwelt- und Klima-Landesrat Stefan Kaineder.

„Der Abschluss des Photovoltaik Stromliefervertrages war ein konsequenter Schritt im Gleichlang mit unseren Kunden, die Stahlherstellung entlang der gesamten Wertschöpfungskette zu dekarbonisieren. Aus Sicht der energieintensiven Industrie würden wir uns für die nächsten Schritte eine Umstellung des Fördersystems wünschen. Andere Staaten haben es durch substanzielle Investitionsförderungen in Verbindung mit langfristigen Abnahmeverträgen für Strom geschafft, den Ausbau der erneuerbaren Stromerzeugungsanlagen voranzutreiben und der Industrie Strom zu konkurrenzfähigen Preisen zur Verfügung zu stellen. Dieses Modell wäre auch für Österreich zu prüfen“, wünscht sich Eugen Hofer als Geschäftsführer der Resonac Graphite Austria GmbH.

Quelle: Land OÖ  //  Fotocredit: ©  Land OÖ/Cajetan Perwein

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